Die Innenstadt wie das eigene Wohnzimmer behandeln

, ,

Intensive Diskussionen bei Veranstaltung der SPD-Fraktion

 

Wem gehört die Innenstadt? Wer hat die Gestaltungsmacht? Wer trägt Verantwortung? Und wer hat Zugriff auf die Innenstadt jenseits offizieller Strukturen? Diesen und vielen damit zusammenhängenden Fragen ging die SPD-Fraktion in einer großen Diskussionsveranstaltung im Hotel Aspethera auf den Grund. Rund 70 Gäste verschiedener politischer Couleur und aus unterschiedlichen Bereichen der Zivilgesellschaft tauschten sich in Tischgruppen rege dazu aus. Input gab es zuvor von sechs „Keynote-Speakern“, die später wie bei einem Speed-Dating mit ausgewählten Themen zu kurzen Diskussionsrunden von Tisch zu Tisch wechselten. Roger Voigtländer, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, begrüßte Alexandra Boxberger vom City Pastoral, Josefine Lindner vom Stadtjugendrat, den Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Uwe Seibel, Citymanagerin Lena Schräder, die technische Beigeordnete der Stadt Paderborn Claudia Warnecke und Nicole Wiggers, Geschäftsführerin von KIM – soziale Arbeit e.V. Alle setzten in ihren Eingangsstatements unterschiedliche Akzente.

Nicole Wiggers betonte, dass Bedürfnisse aller Menschen, die sich in der Innenstadt aufhalten, wichtig sind. Damit nahm sie auch die stark gestiegene Zahl der Wohnungslosen im Kreis Paderborn in den Blick. „Wir brauchen Verantwortungsübernahme“, forderte Wiggers. Uwe Seibel ging in seiner Keynote auf den Ursprung der Städte als Orte des Handels ein. Für Lena Schräder ist die City als „Visitenkarte“ einer Stadt ein wichtiger Standortfaktor. Josefine Lindner, die Vorsitzende des Stadtjugendrates, betonte, ihr sei wichtig, dass die Innenstadt ein Ort ist, der alle Generationen anspricht. Sie appellierte an die Verantwortung eines jeden Einzelnen. „Wir müssen die Innenstadt wie unser eigenes Wohnzimmer behandeln“, forderte sie pragmatisch. Auch die technische Beigeordnete Claudia Warnecke wünschte sich: „Miteinander geht mehr. Alle müssen die Bereitschaft haben, Kompromisse zu schließen und Eigeninteressen zurückzustellen.“ Ihr Fokus lag neben den baulichen Entwicklungen vor allem bei der Aufenthaltsqualität. Alexandra Boxberger vom City Pastoral setzte Impulse aus ihrer alltäglichen Arbeit: Teilen, füreinander sorgen und miteinander sein standen für sie im Mittelpunkt ihres Statements.

Diskutiert wurde an sechs Tischen. Langeweile oder Denkpausen kamen durch das dynamische Konzept nicht auf. Mit teils provokanten Fragen wie „Funktioniert eine Innenstadt auch ohne Einzelhandel?“ war das Eis zwischen den Gesprächsteilnehmern schnell gebrochen, der Austausch des hetorogen aufgestellten Publikums gestaltete sich auch durch die Generationenunterschiede lebhaft. Am Ende waren zahlreiche Notizzettel randvoll beschrieben, viele gute Ideen und Sichtweisen notiert. Die Forderungen reichten von „keine Gleichgültigkeit gegenüber Menschen in Schwierigkeiten“ über „barrierefreie Toiletten“ bis hin zu einem Generationencafé. Uwe Seibel formulierte es treffend: „Wenn ich in die Stadt gehe, will ich Leute treffen. Will ich allein sein, gehe ich in den Wald.“

Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Roger Voigtländer, zeigte sich nach der Veranstaltung überaus zufrieden: „Wir wollten mit diesem Format Menschen zusammenbringen, wir wollten sie über Werte, Grundsätze und Ideen reden lassen. Als SPD-Fraktion sind wir überaus dankbar für die enorme Resonanz und die guten Ideen, die wir mit in unsere Arbeit tragen können. Die finanziellen Spielräume sind aktuell leider sehr begrenzt, sodass wir wohl keine großen monetären Wünsche erfüllen können. Doch im Austausch verschiedener Akteure, den wir mit diesem Format erreicht haben, wachsen sowohl Verständnis füreinander als auch Ideen und Anregungen für kreative und kluge Lösungen. Das ist der Boden für ein respektvolles Miteinander und eine gelebte Demokratie. Deswegen freut es uns umso mehr, dass viele junge Menschen unserer Einladung gefolgt sind, ebenso wie die Vertreter anderer Parteien. Um es mit den Worten von Claudia Warnecke zu sagen: Miteinander geht mehr.“