Umbenennung der Straßennamen unausweichlich
SPD-Fraktion äußert sich zur Missbrauchsstudie
Wir begrüßen, dass die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn nun in eine entscheidende Phase kommt. Endlich liegen öffentliche Daten vor, die den Betroffenen zeigen: Sie werden gehört. Die Jahre des Schweigens und Ignorierens sind vorbei. Jene Strukturen, die diese schrecklichen Ereignisse ermöglicht haben, werden sichtbar und daraus sind Lehren zu ziehen. Eine zweite Studie mit aktuelleren Ereignissen, die größtenteils noch nicht verjährt sind, soll bedauerlicherweise erst 2027 veröffentlicht werden. Hieraus ergeben sich vermutlich strafrechtlich relevante Aspekte. Es ist wichtig, dass diese konsequent verfolgt werden.
Die Kirche muss sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen. Das Gebot der Nächstenliebe, Respekt, Hilfe und Barmherzigkeit sind darin angelegt. Jede Christin / jeder Christ sollte sich daran halten. Die Menschen fordern das zu Recht von ihren kirchlichen Würdenträgern ein. Unglaubliche Taten fanden unter dem Deckmantel der Geistlichkeit statt. Die Täter haben das Vertrauen der Menschen in die Institution Kirche missbraucht und sind zugleich von derselben geschützt worden. Alle Katholiken erwarten nun, dass schamlose Lügen und Vertuschungen ihrer Kirche lückenlos aufgeklärt werden. Sie muss Vertrauen zurückgewinnen, sie muss ihre bekundete Aufrichtigkeit unter Beweis stellen.
Nicht nur Kriegs- und Krisenzeiten, in denen Menschen Hoffnung suchen – und viele tun dies im Glauben – ist es dramatisch, wenn eine Institution wie die katholische Kirche sich selbst beschädigt: zum einen durch das Fehlverhalten ihres Personals, zum anderen durch mangelnde Ehrlichkeit. Den damit verbundenen Vertrauensverlust konnte die katholische Kirche in den vergangenen Jahren in Zahlen messen: Allein 2024 gab es 17.184 Kirchenaustritte im Erzbistum Paderborn. Menschen brauchen Hoffnung und Stabilität. Für viele bietet ihre Kirche das nicht mehr. Es ist wichtig, dass die Fehler der älteren und der jüngeren Vergangenheit ehrlich und schonungslos aufgedeckt werden.
Wir werden uns in der Kommunalpolitik intensiv mit der Umbenennung des Kardinal-Degenhardt-Platzes und der Kardinal-Jäger-Straße befassen. Um Kardinal Jäger haben wir die Diskussion bereits mehrfach im Rat geführt, auch angesichts seiner unklaren Rolle in der NS-Zeit. Die SPD hat sich für eine historische Einordnung ausgesprochen, zumal eine Neubenennung mit Kosten für die Anwohner und Anwohner verbunden ist. In der Vergangenheit hat die Stadt allerdings Zuschüsse in solchen Fällen gezahlt. Damals ging es um die Rolle des Nationalsozialisten Karl Wagenfeld. Wir sind überzeugt: Bereits die nachgewiesene indirekte Täterschaft der beiden Paderborner Geistlichen hat im Stadtbild nichts zu suchen. Beide Benennungen – einst als Ehrung verstanden – müssen deshalb verschwinden. Es ist mit unserem Verständnis von Menschenwürde nicht vereinbar, dass Menschen mit einer Haltung, wie diese beiden Vertreter ihrer Kirche sie zeigten, eine Anerkennung im öffentlichen Raum erhalten. Auch eine klare Distanzierung des heutigen Rates von der 1955 verliehenen Ehrenbürgerwürde des Kardinals Jäger halten wir nun für absolut erforderlich!
