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Doppelspitze beim neugewählten Vorstand der SPD Ortsverein Paderborn

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Positionspapier des neuen Vorstands

Positionspapier des neuen Vorstands

Am vergangenen Samstag wurde auf der gut besuchten Mitgliederversammlung des SPD Ortsvereins Paderborn ein Novum eingeführt: An der Spitze des Ortsvereins steht nun eine Doppelspitze mit zwei gleichberechtigten Vorsitzenden, eine Frau und ein Mann. Die Versammlung sprach mit großer Mehrheit den vom Vorstand vorgeschlagenen Kandidat*innen Julia Lakirdakis-Stefanou und Manfred Krugmann das Vertrauen aus. Diese beiden werden nun im Team, wie sie betonen, die SPD in Paderborn für die nächsten zwei Jahre leiten. Ihnen stehen selbstverständlich weitere Mitstreiter*innen zur Seite. Den geschäftsführenden Vorstand komplettieren Claudia Steenkolk und Kevin Hufer als stellvertretende Vorsitzende sowie Harald Schäfers als Kassierer und Ulrich Koch als Schriftführer. Zur inhaltlichen Positionierung hatten sie im Vorfeld einige Schwerpunkte erarbeite, denen sie sich in der nächsten Zeit widmen möchten. Als Stichworte sind genannt: Beseitigung gesellschaftlicher Ungleichgewichte, Gestaltung der Konversion, Digitalisierungsprozesse, lokale Mobilitätskonzepte, Quartiersarbeit und qualitätsvolle Angebote im Bereich von Bildung und Kultur um nur einige zu nennen. Wichtig ist dem Vorstand zu betonen, dass die Arbeit eines Ortsvereines gemeinsam gemacht werden muss und der Vorstand hierbei auf die Unterstützung der Mitglieder angewiesen ist. Alle sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen! Um die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen wurden mit Abel Akindeyoje, Björn Buxot, Carsten Büsse, Michael Deppe und Christopher Stange zudem fünf Beisitzer gewählt.

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Bildnachweis: Neuer OV-Vorstand, Foto: Bärbel Hermansen

 

 

Gute Voraussetzungen und erhebliche Investitionen – Bericht aus dem Betriebsausschuss Gebäudemanagement

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Die Sitzung des Ausschusses fand dieses Mal in den renovierten Räumlichkeiten des Pelizaeus Gymnasiums statt. Der Gebäudeteil B war vor 2 Jahren bei einem Großbrand schwer beschädigt worden. Der Leiter des Gymnasiums, Dr. Peter Lütke Westhues, führte die Ausschussmitglieder durch die neuen Fachräume des naturwissenschaftlichen Bereichs. Die Ausstattung ist auf dem neuesten Stand und war beeindruckend. Wir denken, dass hier sehr gute Vorsetzungen geschaffen wurden, um Lernen und Lehren erfolgreich zu machen. Der Schulleiter bedankte sich ausdrücklich beim GMP für die schnelle Hilfe nach dem Brandschaden, die Schaffung von Ausweichquartieren und vor allem für die hervorragende Sanierung und Neugestaltung des Gebäudeteils. Ein Dank, dem wir uns seitens der SPD-Fraktion nur anschließen können!

An der Grundschule Stephanus tut sich etwas

Weitere Informationen gibt es zur Grundschule Stephanus. Dort werden im nächsten Jahr erhebliche Investitionen getätigt, um Klassenräume neu zu bauen und eine Mensa einzurichten. Ein noch bestehender Sperrvermerk aus den Haushaltsberatungen 2017 wurde durch den Ausschuss aufgehoben. Wir haben dem zugestimmt. Der Schulausschuss hat das Thema ebenso behandelt. Des Weiteren hat der Ausschuss mit unseren Stimmen den Sperrvermerk für das Gymnasium Theodorianum aufgehoben. Auch dort werden in den nächsten Jahren umfangreiche Investitionen nötig.

Für uns haben Burkhard Aubke, Ayhan Demir und Ulrich Koch an der Sitzung des Betriebsausschusses Gebäudemanagement teilgenommen. Die nächste Sitzung des Ausschusses ist für den 21. Juni geplant.


Bildnachweis: Schild Schule / Foto: Mark Heinemann

Bündnis für Demokratie und Toleranz wirbt für Paderborner Debatte zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai

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Anlässlich des Tags des Grundgesetzes am 23. Mai fragt das „Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz“, wie die Ratsparteien die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt in der Paderborner Stadtgesellschaft fördern und stärken (Link zum Programm). Die „Paderborner Debatte zum Tag des Grundgesetzes“ findet um 19 Uhr im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn (Klingelgasse /Ecke Liboristraße) statt und wird von der durch Radio Hochstift bekannten Journalistin Sylvia Homann moderiert (Link zur Einladung). In der Podiumsdebatte werden die grüne Stadtvorsitzende Sigrid Beer, Reinhard Borgmeier, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion/offene Liste, Alexander Senn, Fraktionsvorsitzender der FDP, der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Schaefer (CDU) und Manfred Krugmann (SPD) Stellung zu sozialen Fragen beziehen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Debatte liegen auf den Themen Integration und bezahlbarer Wohnraum. Hierzu gibt es inhaltliche Impulse durch die Schura, dem Rat der Paderborner Muslime, und den Wohlfahrtsverbänden.

Auf die demokratischen Errungenschaften des Grundgesetzes aufmerksam machen

„In einer Zeit, in der die soziale Spaltung der Gesellschaft zwischen Armen und Reichen zunimmt und der Zusammenhalt durch Rechtspopulisten unter Druck gerät, müssen wir immer wieder aufs Neue auf die demokratischen Errungenschaften des Grundgesetzes aufmerksam machen“, erläutert Martin Menacher, Gewerkschaftssekretär beim DGB, das Anliegen des Bündnisses.
Die Debatte bildet den Höhepunkt einer Veranstaltungsserie zum Grundgesetz. Im Rahmen von insgesamt zwölf Veranstaltungen thematisieren Bündnisorganisationen verschiedene Grundrechte. Der DGB-Kreisverband Hochstift Paderborn zeigt in Kooperation mit dem PaderPride e.V. am Dienstag, den 22. Mai um 18 Uhr im Pollux den Film „Pride“. Die britische Tragikomödie behandelt Grundrechte, wie Menschenwürde, Gleichberechtigung, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit. Am 26. Mai schließt sich der Christopher Street Day mit einer Demonstration durch die Stadt und einem Straßenfest vor dem Paderborner Rathaus an.

Schwerpunkt auf der brisanten Frage nach dem Asylrecht

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der brisanten Frage nach dem Asylrecht. Dazu laden die Friedensbewegung pax christi und die Katholische Erwachsenenbildung am 29. Mai um 19 Uhr zu einer Diskussion über „Menschen auf der Flucht: Tore zu – Türe auf?“ ins KEFB-Haus an der Giersmauer ein. Sowohl Landrat Manfred Müller als auch die Flüchtlingsanwältin Judith Herbe beziehen Position. „Warum sich Christinnen und Christen ins politische Geschäft“ einmischen, erläutern am 25. Mai ab 19:30 Uhr Vertreter des evangelischen Kirchenkreises, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, des ND und pax christi in einem Stammtischgespräch im Sputnik.

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus

Partei ergreifen für direkte Demokratie ist die Devise der Grünen, die an den Artikel 20 „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ anknüpft. Dazu kommt der grüne Landesvorsitzende Felix Banaszak am 24. Mai ab 19 Uhr ins KIM-Forum. Das Linke Forum und der Grüne Salon haben bereits die aufklärerische Freiheitsgeschichte und die Lage der Demokratie analysiert.
Hintergrund: Im „Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz“ vernetzen sich aktuell mehr als 40 Organisationen aus dem Raum Paderborn, um das soziale Zusammenleben aller hier lebenden Menschen zu stärken sowie Rechtspopulismus und Ausgrenzung entgegenzutreten.

Nach- & Rückfragen an: Martin Menacher, DGB-Region OWL, Bahnhofstr. 16, 33102 Paderborn, 052151 29037 13


Bildnachweise:  Bündnis für Toleranz und Demokratie

Arbeit 4.0 – Chance, Risiko oder Ohnmacht

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Unter diesem Titel gestaltete der SPD-Ortsverein Paderborn nun in der Westernstraße den ersten Stand des Jahres 2018. Zahlreiche Mitglieder aus dem Ortsverein waren beteiligt, viele Bürgerinnen und Bürger kamen zur angeregten Diskussion. Dabei stellte sich heraus, dass viele noch keine genaue Vorstellung von dem Thema haben. Dass es „irgendwie um Roboter und Digitalisierung geht“, ist den meisten Personen klar. Aber, welche Bedeutung hat Arbeit 4.0 für die Arbeitsplätze? Wie sehen die Unternehmen der Zukunft aus und was ändert sich in der Gesellschaft? Hier ist auch von Seiten der Politik noch viel Aufklärungs- und Entwicklungsarbeit nötig. Der Slogan „Digitale Stadt“ alleine wird nicht reichen, die Gesellschaft mitzunehmen. Wir werden auch in den nächsten Monaten regelmäßig mit Ständen zu aktuellen Themen in der Westernstraße vertreten sein. Dabei wird es unter anderem auch um die Bereiche „Wohnen und sozialer Wohnungsbau“, „Neubau der Stadtverwaltung“ sowie die großen anstehenden Bauprojekte in der Stadt gehen. Jede Menge Stoff also für weitere angeregte Diskussionen. Die genauen Termine der nächsten Stände werden wir, unter anderem auf unserem Facebook-Profil „SPD Paderborn“ und hier auf der Homepage im Terminbereich, kommunizieren.

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Bildnachweis: Stand Westernstraße, Foto: SPD-Ortsverein, Paderborn

Der Ascherdonnerstag war vollgepackt mit aktuellen Themen

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Zu ihrem schon traditionell gewordenen Ascherdonnerstag hatte der SPD Ortsverein Paderborn eingeladen. Eine auch 2018 gut besuchte Veranstaltung, die in diesem Jahr im Hotel Aspethera stattfand. Gastredner der Veranstaltung war Dr. Dennis Mälzer, Landtagsabgeordneter aus Lippe und familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW.

Landespolitik ist von den gebrochenen Wahlversprechen der CDU/FDP-Regierung geprägt

Ein Schwerpunkt seiner Rede galt dementsprechend der Landespolitik und den gebrochenen Wahlversprechen der CDU/FDP Regierung. Weder sei der vollmundig propagierte Schuldenabbau noch die Neuregelung der Grunderwerbsteuer gelungen, die Weiterleitung der Integrationspauschale des Bundes an die Kommunen nur teilweise umgesetzt. Stattdessen habe es bislang lediglich, wie schon 2005, eine kaum vertretbare Ausweitung von Stellen in den Ministerien gegeben. Die Diskussionen um das Sozialticket, die Initiative zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten und die aktuellen Entwicklungen in der Finanzbehörde Wuppertal mit dem Abgang hervorragender Fachkräfte im Bereich der Steuerfahndung seien ebenfalls ein deutliches Zeichen, dass es der Landesregierung nicht um die Lösung sozialer Schieflagen oder mehr Steuergerechtigkeit ginge. Neben dem fehlenden Verkehrskonzept bemängelte Mälzer auch die Hilflosigkeit der Landesregierung in der Familienpolitik.

Gäste_Menschen_Tische_SPD_Politik_Paderborn

Gäste beim Ascherdonnerstag

Die Arbeitswelt muss familienfreundlich bleiben

Fachkundig und fundiert legte er dar, dass es der SPD im Gegensatz zur CDU/FDP darum gehe, die Arbeitswelt familienfreundlich, nicht die Familien nach den Bedürfnissen der Arbeitswelt zu gestalten. Deshalb werde die SPD im Rahmen der Diskussionen um einen Ersatz des Kibiz einen qualitativen Ausbau der Erziehung im Vorschulalter einfordern und finanzielle Belastungen von den Schultern der Eltern nehmen. Insbesondere gehe es dabei auch um eine Neuordnung der Sockelfinanzierung und der Verbesserung des Personalschlüssels in den Einrichtungen.

Im Koalitionsvertrag macht vieles Sinn, einiges aber eben auch nicht

Neben der Erörterung des Wahlausgangs bei der NRW Landtagswahl und dem Verlust der Regierungsverantwortung für die SPD war die Bundespolitik und die anstehende Entscheidung der SPD Mitglieder im Mitgliederentscheid zur GroKo ein weiteres, sehr intensiv diskutiertes Thema. Dennis Mälzer machte deutlich, dass auch er seine Entscheidung noch nicht endgültig getroffen habe. Es gebe Punkte im Koalitionsvertrag, die aus Sicht der Kommunen eine Zustimmung als richtig erscheinen ließen. Aber es gebe eben auch Punkte die auf den ersten Blick sinnvoll, aber bei einer genaueren Prüfung fraglich erschienen. So sei die Finanzierung familienpolitischer Notwendigkeiten infolge der Weiterfinanzierung des Betreuungsgeldes zu gering oder einseitig zu Lasten der Länder und Kommunen beabsichtigt. Notwendige Schritte im Wohnungsbau unterblieben zum Teil ganz oder würden mit falschen Anreizen verknüpft. Baukindergeld löse nicht die erheblichen Probleme im Bereich bezahlbaren Wohnens.

Insgesamt war der Ascherdonnerstag wieder eine gelungene Veranstaltung mit Themen, die auch nach dem offiziellen Ende noch im kleinen Kreis intensiv weiterdiskutiert wurden.


Bildnachweis: „Ascherdonnerstag SPD Ortsverein Paderborn“, Fotos: Ulrich Koch/Julia Lakirdakis-Stefanou

SPD-Ortsverein Paderborn zieht Zwischenfazit zu den Koalitionsgesprächen

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In einer gut besuchten Mitgliederversammlung hat der SPD-Ortsverein Paderborn ein Zwischenfazit zu den Verhandlungen um die Bildung einer GroKo gezogen. Moderiert vom Vorsitzenden Axel Breetzke berichtete der Kreisvorsitzende und ehemalige Bundestags-Abgeordnete Burkhard Blienert über seinen Kenntnisstand zu den Verhandlungen und stellte sich den Beiträgen und Fragen der Mitglieder.

Das Dilemma der SPD

Im Rahmen einer intensiven und sehr differenzierten Diskussion ging es dabei um das Dilemma der SPD. Nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen sind die Sozialdemokraten nunmehr gefordert, trotz der ursprünglichen Ablehnung einer neuerlichen GroKo, zwischen den Ergebnissen von Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und unabsehbaren Ergebnissen von Neuwahlen abwägen und entscheiden zu müssen. Der Großteil der Mitglieder zeigte sich dementsprechend skeptisch, was am Ende der Verhandlungen an erkennbar sozialdemokratischer Programmatik umzusetzen sei. Zwar wurden die Erfolge bei den Verbesserungen im Bereich von Pflege, Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung, angekündigte Initiativen zur Verbesserung der Situation am Wohnungsmarkt und bei der Befristung von Arbeitsverhältnissen positiv hervorgehoben. Hier müsse aber, ähnlich wie bei der Einführung des Mindestlohnes, abgewartet werden, wie konsequent eine Umsetzung gelinge. Bedauert wurde erneut, dass die Verhandlungsführer die zunehmenden Ungleichgewichte in der Gesellschaft nicht hinreichend aufgegriffen und die Verteilungsfrage offensiv thematisiert hätten. Dies sei womöglich darauf zurückzuführen, dass die Führung sich zunehmend von der Lebenswirklichkeit ihrer ursprünglichen Wählergruppen entfernt habe.

Glaubwürdigkeit nicht verlieren

Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt war die Frage, wie im Rahmen einer Regierungsbeteiligung die Erneuerung des Profils der Partei gelingen könnte. Die Partei müsse nach den Aussagen zum Gang in die Opposition und dem anschließenden von der Öffentlichkeit nicht immer verstandenen Kurswechsel vorsichtig sein, ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Eine Schärfung der sozialdemokratischen Programmatik als Gegengewicht zu christdemokratischer, liberaler und gar nationaler Politik sei deshalb unerlässlich. Diese notwendige strategische Neuorientierung sei in einer Regierung unter Merkel zumindest fragwürdig.

Fazit der umfänglichen Diskussionen: die Entscheidung über die Bildung und Zustimmung zu einer GroKo beinhaltet mehr Fragen als Antworten und löst mehr Skepsis als Zuversicht aus.


Bildnachweis: „Mitgliederversammlung OV“, Foto: Michael Deppe

Rechtswidrige Abschottungspolitik

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„Wo bleibt das sozialdemokratische Herz in der Asylpolitik?“

SPD-AG ‚Migration & Vielfalt‘ im Kreis Paderborn stellt sich gegen GroKo-Sondierung

Die aktuellen Ergebnisse der Sondierungsgespräche für eine Koalition der CDU/CSU und der SPD sind niederschmetternd und bedeuten einen verheerenden Rückschritt für die Regierungspolitik. Scharf kritisiert werden insbesondere die neuerlichen massiven Verschärfungen in der Asylpolitik.

Entsprechend groß ist nun der Widerstand von der Basis, in den sich auch die AG ‚Migration und Vielfalt‘ des SPD-Kreisverbandes Paderborn einreiht: In ihren Augen hat man sich mit den Vereinbarungen in der Sondierung vor allem von einer humanitären Flüchtlingspolitik verabschiedet. So wurde in den bisherigen Gesprächen eine Obergrenze für Zuwanderung beschlossen, wonach pro Jahr nicht mehr als 220.000 Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Auch wird der Familiennachzug für Geflüchtete eingeschränkt und nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Letzteres kann in verfassungsrechtlicher Hinsicht ein schwerer Verstoß gegen die Menschenrechte und vor allem gegen die Kinderrechte bedeuten, so die AG-Vorsitzende Julia Lakirdakis-Stefanou:

„Ein Elternnachzug zu unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten auf diese Weise zu verhindern ist ein Verbrechen und von Seiten der Regierung überhaupt nicht zu verantworten.“

Des Weiteren droht mit der Errichtung sogenannter ‚Aufnahme-, Entscheidungs- und Rückführungseinrichtungen (AnkER)‘ eine dauerhafte Isolierung Schutzsuchender in zentralen Lagern, womit den Betroffenen eine faire Inklusion in die hiesige Gesellschaft verwehrt bleibt. Nicht zuletzt werden weitere Länder als vermeintliche sichere Herkunftsstaaten erklärt; in diesem Sinne weitere Grenzen geschlossen.

Mit derartigen Beschlüssen wird eine menschenrechtswidrige Abschottungspolitik vorangetrieben, die bislang nur von rechtspopulistischen Kräften propagiert wird.

„Die Ergebnisse der Sondierung sind für uns absolut nicht tragbar. Die AG ‚Migration und Vielfalt‘ hat sich bisher für eine progressive Asylpolitik eingesetzt. Die gegenwärtige Beschlusslage ist also ein herber Schlag in unser Gesicht!“,

weiterhin Lakirdakis-Stefanou.

„Statt Menschen auszugrenzen sollte man sich für radikale Reformen der bisherigen Asyl- und Integrationspolitik einsetzen, die den Zufluchtsuchenden das Leben in unserer Gesellschaft erleichtern soll. Mit den jetzigen Entscheidungen wird ihnen das Ankommen erschwert und obendrein die sozialdemokratischen Grundwerte in Frage gestellt.“

Die Basis der SPD fordert von dem Parteivorstand nun ein konsequentes politisches Handeln und in dem Zuge auch die Ablehnung einer Neuauflage der Großen Koalition mit der Union. Auch die AG ‚Migration und Vielfalt‘ will mit den Worten des Altkanzlers Willy Brandt an die Vernunft der SPD appellieren:

„Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokratie zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.“

Gedenkrede zum Volkstrauertag 19.11 2017

F. Henze ▪ Vors. SPD – Fraktion Paderborn

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich möchte mich zunächst bei Ihnen allen bedanken, dass Sie zu der Gedenkveranstaltung zum heutigen Volkstrauertag gekommen sind. Dank sagen möchte ich auch allen Vereinen, die durch ihre Teilnahme und durch ihre Beiträge den heutigen Vormittag gestalten.

„Sie haben im Kosovo Bomben geräumt, waren mit der Marine vor der Küste Afrikas, sollten in Afghanistan und sollen in Mali für Frieden sorgen. Fast alle haben erlebt, wie Menschen getötet wurden, viele sind selbst verletzt worden – körperlich und seelisch. Hunderte deutsche Soldaten kehrten in den vergangenen Jahren als Einsatzgeschädigte nach Deutschland zurück. Hier in der Heimat sind sie die Unsichtbaren.“

Mit diesen Worten hat der NDR vor einigen Tagen eine Reportage über Bundeswehrsoldaten eingeleitet, die mit Sport als Therapie gegen die Folgen des Krieges, der auch nach der Heimkehr im Kopf nicht aufhören will, ankämpfen. „Wir haben doch hier das dickste Zivilleben“, lässt der Schriftsteller Wolfgang Borchert 1947 in seinem Theaterstück „Draußen vor der Tür“ dem Kriegsheimkehrer Beckmann entgegnen, weil Beckmann den Krieg nicht vergessen kann.

„Wir haben doch hier das friedlichste Zivilleben“, können wir heute mit großer Genugtuung sagen und müssen uns doch damit auseinandersetzen, dass Krieg und gewaltsame Auseinandersetzung die Konfliktherde dieser Welt bestimmen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass von Kriegen betroffene Menschen zu uns flüchten, Geflüchtete, die wir mit bemerkenswerter Hilfsbereitschaft in Paderborn aufgenommen und unterstützt haben. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass 72 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg auch junge Menschen aus Deutschland in kriegerischen Konflikten sterben oder schwer verletzt werden. Allein in Afghanistan starben 56 Bundeswehrsoldaten bei ihren Einsätzen. Junge Menschen, die ihr Leben eingesetzt haben als Teil der Bundeswehr, eingebunden in unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie, nicht auf Grund der Entscheidung irgendeines Politikers, sondern versehen mit Auftrag gewählter Volksvertreter und einem völkerrechtlichen UN Mandat.

Allein schon aus diesem Grund gebührt ihnen und ihren Familien unserer Respekt und unser Mitgefühl.

Heute ist ein Tag, an dem wir bei Kranzniederlegungen und Feierstunden für einen Augenblick innehalten ▪ für einen Augenblick des Gedenkens an die Opfer von Krieg, von Gewaltherrschaft und Terrorismus. Wir gedenken dabei aller Opfer, gleichgültig, welcher Nationalität, Religion oder Glaubensgemeinschaft sie auch immer angehört haben mögen. Wir gedenken der Soldaten, der Kinder, Frauen und Männer aller Völker, die in den Weltkriegen des letzten Jahrhunderts ihr Leben verloren, insbesondere der Opfer, die diese Kriege in Paderborn und Schloß Neuhaus gekostet haben.

Fast zehn Millionen Soldaten sind im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen, weit mehr als fünfzig Millionen Menschen im Zuge des Zweiten Weltkriegs, allein 340 beim letzten schweren Bombenangriff auf Paderborn. Sie alle fielen dem „Höllensturz“ der Weltkriege zum Opfer, in den Tod getrieben durch den Irrglauben an die Überlegenheit der eigenen Nation über andere Nationen und Völker. Wir gedenken der vom verbrecherischen Nazi-Regime Verfolgten und Ermordeten, und der Männer und Frauen, die im Widerstand ihr Leben ließen. Der heutige Volkstrauertag ist nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet. Die Morde des so genannten nationalsozialistischen Untergrunds NSU, 4700 rechtsradikal motivierte Straftaten in NRW im Jahr 2016 sollten uns daran erinnern, dass die Staatsorgane und die Wachsamkeit der Bürgerinnen und Bürger gegen den braunen Sumpf immer wieder gefordert sind. Und auch diejenigen machen in Deutschland und Europa wieder lautstark von sich reden, die ihre Heimat gegen die Heimat anderer ausspielen, die von Heimat schwadronieren, aber den Heimatlosen die kalte Schulter zeigen, diejenigen, die ihre Nation über die der anderen setzen. Die Menschen in Deutschland und Europa, wir alle erleben die längste Friedensperiode, die es je in Mitteleuropa gab. Angesichts der Tatsache, dass die Geschichte Europas zu einem nicht unerheblichen Teil eine unablässige Folge von Kriegen gewesen ist, ist diese lange Friedensperiode etwas Außergewöhnliches.

Seit 1989 sind wir, wie es heißt, nur noch von Freunden umzingelt. Die Jahrzehnte des Friedens sind vor allem aber möglich geworden, weil die Europäer die Erinnerung an die letzten Kriege aufrechterhalten haben, weil sie bereit waren, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen, den Nationalismus zu bekämpfen und ein gemeinsames, friedliches und demokratisches Europa aufzubauen. Vor 50 Jahren schrieb der Schriftsteller Günther Kunert ein kurzes Gedicht mit dem Titel „Über einen Davongekommenen“. Es geht so: „Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich.“ Aus dem Gedicht spricht tiefes Misstrauen gegenüber dem Friedenswillen des Menschen. Das vereinte Europa hat diese Skepsis des Schriftstellers nicht bestätigt, sondern aus dem letzten Satz ein „Nie wieder Krieg“ gemacht. Das ist das Verdienst der Völker Europas und ihrer Politiker. Der mühsame Weg, der lange und der für manche auch langweilig erscheinende Weg zu einem vereinten Europa ist die Antwort auf die Verheerungen der Weltkriege. Und mehr noch, Zitat: „In dieser Welt, die sich durch neue Technologien rasant und radikal verändert, in der Kriege toben und Extremismus gepredigt wird, in der das Modell der westlich-liberalen Demokratie beileibe nicht unangefochten ist, in der die USA sich zurückziehen und China ein starkes, aber gewiss nicht demokratisches Gegenmodell propagiert – in dieser Welt ist ein souveränes und selbstbewusstes Europa nicht nur eine Möglichkeit, sondern (..) eine unbedingte Notwendigkeit!“ Mit diesen Worten hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in der letzten Woche gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Manuel Macron eine Gedenkstätte zur Erinnerung an eine Schlacht des 1. Weltkrieges eröffnet.

Für diesen Gedanken müssen wir standhaft werben, aller antieuropäischer, populistischer Strömungen zum Trotz. Und wir müssen das Friedensprojekt Europa auf der kommunalen Ebene weiter durch vielfältige persönliche Begegnungen vor allem junger Menschen, mit Europäern aus unseren Partnerstädten stärken. Daraus entsteht ein belastbares zwischenmenschliches Band, das auf Empathie, auf gegenseitigem Verständnis beruht, das aber auch Diskussion über strittige Fragen und Kritik verträgt.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben in die Präambel unserer Verfassung geschrieben: Deutschland soll, wie es wörtlich heißt „dem Frieden der Welt dienen“. So leicht sich dieser Satz schreibt und liest, so schwer lässt er sich realisieren. Die Welt verändert sich immer schneller und manchmal auch beunruhigender: terroristische Bedrohungen, eine wachsende Zahl von Nuklearmächten, Gegenden, in denen staatliche Strukturen zusammenbrechen und Menschen von Kriegsführern oder War Lords unterdrückt werden. Der bloße Friedenswunsch allein wird sicher nicht ausreichen. Den Satz „Deutschland soll dem Frieden der Welt dienen“ mit Leben zu erfüllen und die Frage, „wie soll Deutschland dem Frieden dienen“ zu beantworten, bleibt eine ständige Herausforderung für die Politik, aber auch für alle politisch bewussten Staatsbürger. In den nächsten Wochen wird von der neuen Bundesregierung in diesem Zusammenhang auch die Frage zu beantworten sein, ob und in welchem Umfang die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan aufgestockt wird, wie es die USA verlangen.

Es wird in jedem neuen Krisenfall kritisch zu diskutieren sein, ob ein militärischer Einsatz als letztes Mittel und mit völkerrechtlicher Legitimation durch ein UN Mandat tatsächlich friedenserhaltend – und für den Schutz der Menschenrechte und des Wiederaufbaus eines Landes sinnvoll sein kann – oder ob er sich nicht doch verbietet. Dazu bedarf es klarer Ziele und Vorgaben. Nicht beabsichtigte Folgen solcher Interventionen, die wir ja auch erleben mussten, geben zu Skepsis Anlass. Und immer noch ist Martin Luther King zuzustimmen, der einmal gesagt hat: „Gewalt führt nicht zu dauerhaftem Frieden. Sie löst kein soziales Problem, sie erzeugt nur neue, kompliziertere“.
Es muss deshalb immer wieder darauf geachtet werden, dass zivile Krisenprävention und Konflikteindämmung Vorrang haben müssen vor dem Einsatz von militärischen Mitteln. Ganz sicher darf man sich hier keinen zu einfachen und unrealistischen Vorstellungen friedenspolitischer Machbarkeit hingeben. Aber es muss das erste Ziel bleiben, die Ursachen von Gewalt und Krieg konsequent anzugehen und einzudämmen.

Es wird auch immer wieder kritisch darüber zu diskutieren sein, ob es tatsächlich sein muss und ob es von nachhaltigem Nutzen ist, dass Deutschland einer der größten Waffenexporteure weltweit ist und ob nicht doch viel genauer hingeschaut werden muss, wohin solche Exporte gehen und wo sie verbleiben. Wir machen uns Gedanken über ein nachhaltiges Wirtschaften, das die Interessen der nachfolgenden Generationen mit berücksichtigt. Dazu gehört auch Abrüstung und Kontrolle der Rüstungsexporte.

Die Ursachen von Gewalt und Krieg sind vielfältig. Sie einzudämmen, muss unser Ziel bleiben – national und weltweit. Unser heutiges Gedenken an diesem Ort ist dafür Mahnung und Aufruf zugleich. „Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“

Mit diesen Worten hat nach dem Zweiten Weltkrieg Theodor Heuss, der erste deutsche Bundespräsident den Toten der Kriege eine Stimme gegeben. Diese Aufforderung sollte auch für uns Verpflichtung sein.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

gez. F. Henze